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Sinn und Zweck
Der Sinn von Prüfungen im Shaolin Karate-Do.
Am Anfang unserer Budoentwicklung in Europa (in den siebziger Jahren) orientierten wir uns sehr stark an die ursprünglichen chinesischen Vorbilder. Es gab keine Prüfungen im eigentlichen Sinne. Jedes Training, jede Technik, das ganze Leben war eine Prüfung. Es wurden zwar Grade vergeben, diese wurden aber nicht in Form eines Gürtels sichtbar getragen. Lehrer vergaben diese Grade zwar nicht willkürlich, aber im eigenen Ermessen. In der Gründerzeit war dies eine willkommene Chaosmethode, um die damals schon sehr verkrustete und erstarrte Prüfungsmentalität mit all ihrer Verlogenheit, ihrem Gehabe, ihren verzerrten Prioritäten und ihren bunten Gürteln zu durchbrechen, die Dinge mal wieder auf den Punkt zu bringen und uns von dieser Art Pseudobudo abzugrenzen. Uns war daran gelegen die Priorität auf das Training und die Qualität der Techniken zu lenken, nicht auf die Gürtelfarbe oder eine Urkunde. Gerade in Deutschland ist die Fixierung auf Papier und bürokratische Reglementierung besonders ausgeprägt. Aus diesem Grunde also handelten wir das Thema "Prüfungen" besonders undogmatisch und demonstrativ "unsichtbar" ab. So wie diese Umgehensweise bis in die achtziger Jahre hinein ihren Sinn hatte, so wurde sie von Entwicklungen eingeholt und überflüssig gemacht. Es stellte sich nach einer gewissen Zeit heraus, dass es einer Reglementierung bedurfte um innerhalb vieler Gruppen, die zum Teil unabhängig von einander agierten, das hohe Niveau zu halten und sicher zu stellen, das jeder Aktive, unabhängig von welchem Lehrer er unterrichtet wurde, dass gleiche Können innerhalb einer bestimmten Gradeinteilung beherrschte. So entschlossen wir uns dazu, Prüfungen in einem bestimmten Rahmen abzuhalten, nicht aus einer Not heraus, sondern um das bis dahin Erreichte zu stabilisieren bzw. zu steigern. Wir entwickelten Prüfungsrichtlinien, die die Vorteile beider Verfahren mit einander verbanden, ohne deren Nachteile zu akzeptieren. Voraussetzung dafür war ein entsprechend entwickeltes Bewußtsein der Lehrer, das sich an diesen Maßstäben orientierte und Korruptionsversuchen gegenüber relativ immun war. Wir möchten hier auch nicht verschweigen, dass eine Reihe Lehrer, die dieser Vereinigung einmal angehörten, diesem hohen Anspruch nicht gerecht wurden und die Vereinigung aus diesen Gründen verlassen mußten. Prüfungen sind ein wesentlicher Teil der Charakter- und Persönlichkeitsbildung im Karate. Die Bildung neuer und richtiger Bewegungs- und Haltungsmuster setzt ein hohes Maß an Bewußtheit und kritischer Selbsteinschätzung voraus, welches besonders Anfänger naturgemäß nicht vorweisen können. Außerdem sehen es manche Schüler nur schwer ein, dass sie eine falsche Selbsteinschätzung haben. Prüfungen sind hier das einzige Mittel, um dem Betreffenden vor Augen zu führen, dass mit seiner Karateentwicklung etwas nicht stimmt. Sie soll Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen und korrigieren. Die Prüfung soll auch eine Schwierigkeit sein, der sich der Kandidat zu stellen hat, eine Hürde, die emotionalen Stress mit sich bringt und dadurch in hohem Maße Kontrolle, Selbstdisziplin und Kampfgeist abverlangt, aber auch dem Prüfling nach erfolgreicher Absolvierung eine Bestätigung für das Erreichte gibt, auf das er stolz sein kann. Allerdings sollte das Training nie als Diener für eine Prüfung gesehen werden. Training muß eine eigene konstante Größe sein. Prüfungen sind stets als ein Abfallprodukt des Wesentlichen (der stetigen Entwicklung im Training) zu betrachten. Auf der Organisationsebene haben Prüfungen auch den wichtigen Aspekt der Standardisierung der Leistungsgrade der verschiedenen einzeln organisierten Gruppen, Vereine und Schulen. Prüfungen im Shaolin-Karate werden also vor allem aus drei Gründen abgehalten:
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